Flo Reyda:
Erst Senkrechtstart, dann Schleudersitz
Ein TORNADO-Pilot: Zum Abschuss freigegeben

338 Seiten, 31 Fotos, Hardcover mit Schutzumschlag, 14x20,5 cm, 562 g;
ISBN 978-3-939829-11-9; € 19,80

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Flo Reyda

Männlich – Ende der 60er Jahre geboren – Abitur – Berufsoffizier der Luftwaffe – TORNADO-Pilot – ca. 4.000 Flugstunden

Zahlreiche Auslandsaufenthalte während Ausbildung, Übung und Einsatz

Verheiratet – 2 Kinder

Pensionär mit 41 Jahren

Verkehrsflugzeugführer – Fluglehrer

Erst Senkrechtstart, dann Schleudersitz

Ein TORNADO-Pilot: Zum Abschuss freigegeben

Fast jeder Junge möchte irgendwann Polizist, Fußballer, Rennfahrer oder Pilot werden. So auch Flo Reyda. Er wollte von Kindesbeinen an nur ein Flugzeug steuern – und hat es geschafft! Er entschloss er sich, zur Bundeswehr zu gehen und all sein Engagement in die Karriere als Top Gun-Pilot zu legen.

Erst Eignungstests, dann Auswahlverfahren: Purer Stress und anspruchsvolle Prüfungen. Der Erfolg: Eine Ausbildung zum TORNADO-Piloten. Danach gab es für ihn nur einen Fokus: Keiner sollte ihm Steine in den Weg legen – ihm den begehrten Platz im Cockpit des Kampfflugzeugs streitig machen können.

Flo hat die Erfolgsleiter bestiegen. Leider musste er bald erkennen, dass sich einer, der es bis an die Spitze geschafft hat, nicht nur Freunde macht. Kameraden, die nicht so leistungsstark waren, fühlten sich übergangen und kompensierten ihre Niederlagen mit Schikanen und Diskriminierungen. Vorgesetzte, denen Flo Reydas Erfolgsgeschichte ein Dorn im Auge war, schlossen sich an und wurden zuletzt sogar aktive Drahtzieher.

Erst als sich private Lebensentwürfe als Fehlentscheidungen herausstellten, zeigten sich Angriffsflächen. Sie wurden ausgenutzt, um den Vorzeige-Piloten zu entzaubern. Und was folgte war der subversive Versuch, einen Team-Player, dem man sich nicht gewachsen fühlte, aus der Gemeinschaft zu drängen. Was mit scheinbar konstruktiver Kritik begann, wuchs sich systematisch aus.

Doch von Mobbing durfte nicht gesprochen werden, da es diese Form der Diskriminierung bei der Bundeswehr offiziell nicht gab. Flo Reyda musste sich als Betroffener gegen etwas wehren, was keiner wahrhaben wollte.

Durch einen Scheidungskrieg an den Rand seiner psychischen und physischen Kraft gebracht, half ihm nur sein übermenschlicher Wille, sich den Tatsachen zu stellen und sich tapfer zu wehren. Wie Flo Reyda diese intensiven Jahre im und ausserhalb des Cockpits erlebt hat, schildert er teilweise hoch emotional.

Wer bereit ist, das Bild der Bundeswehr, das in der Öffentlichkeit bekannt ist, aus einem neuen und anderen Blickwinkel zu sehen – wer sich nicht vorstellen kann, dass aus einem „harten Held“ ein „Opfer“ wurde – und wer erleben möchte, was es bedeutet, ein Kampfjet-Pilot zu sein, dem wird die Lektüre dieses Buches spannende Unterhaltung liefern.

Ein Buch, entstanden aus den täglichen Aufzeichnungen eines echten Kampfpiloten der Bundeswehr. Interessant, verwirrend und berührend zugleich. Eine Erfolgsstory und ein Krimi. Eine Biographie, Dokumentation und Roman.

Die harte Ausbildung zum Jet-Piloten, tägliche Einsätze im Überschall-Jet, die Betroffenheit eines Mobbing-Opfers, der Weg aus der persönlichen und beruflichen Isolation bis zur Kampfansage oder einfach nur die enorme innere Überzeugung, dass persönliches Erleben stark machen kann, um anderen Menschen Bewusstsein und Hilfe zu geben, das alles schildert Flo Reyda in diesem Buch.

Flo möchte nicht das Bild zerstören, dass Tom Cruise legendär in Top Gun gezeichnet hat und er möchte auch nicht diejenigen schuldig sprechen, die ihn zum Opfer gemacht haben. Doch er will deutlich machen, dass es Mobbing bei der Bundeswehr gibt. Und schließlich will er allen Menschen Mut machen, die Ähnliches erlebt haben.

Ein Glossar am Ende des Buches hilft, die ganz eigene Sprache der Bundeswehr und der Flieger besser zu verstehen.

Es lohnt sich sehr, Zeit zum Lesen dieses Buches zu investieren.

Leseprobe aus Kapitel 2 (S. 25-26)

Kaum in Schongau angekommen, rannten wir alle wie die Bekloppten. Hier bewegte sich jeder nur im Laufschritt, angefeuert von genügend Ausbildern. Fünf harte Tage lagen jetzt vor mir. Ich war angespannt, mir war bereits kalt. Schnee. Wo ich hinsah, nur Schnee. Man zeigte uns das für vier Mann gebaute Tipi. Eine spartanische, zeltähnliche Behausung mit kleiner zentraler Feuerstelle. Zum Trocknen der nassen Klamotten und zum Essen machen. Außer unserem militärischen Gepäck durften wir nichts Persönliches mitnehmen. Das wurde noch kurz vor Abreise genau überprüft. Rucksack von der Schulter, alles raus. Wir waren echt nur im Laufschritt unterwegs. Zeit gab es, außer zum Feuerholz sammeln, keine. Und das Feuer durfte auf keinen Fall ausgehen. Zumindest nicht, solange wir da waren. Jede Tipi-Gruppe stellte also im Wechsel jemanden ab zum Holz suchen und nachlegen. Hatten wir anfänglich lange genug mit Magnesium und Feuerstein zu kämpfen gehabt, um es überhaupt in Gang zu bringen. Jetzt nur nicht ausgehen lassen! Wo sollten wir sonst unsere Kleidung trocknen, ein kleines Süppchen aus selbst gesammelten Wurzeln brühen?

Im Moment des nahen Erfrierungstodes bedeutete jede Minute eine kleine Ewigkeit. Immer und immer wieder musste man sich zusammenreißen, sich selbst Mut machen. Getreu dem Motto: Ich will Offizier werden, meinem Land treu dienen. Ich will anderen ein Vorbild sein, und: Ja, genau! Ich will Pilot werden! Genau das will ich eigentlich! Nicht im Wald sitzen und einen eben getöteten Fisch in Klopapier eingewickelt über ein stinkendes Feuer halten. Dieses „Ich will“ konnte ich nicht mehr hören. So steht es an jeder Ecke auf dem Gelände der Offizierschule. Immer groß geschrieben, auf auffällig hässlichem, blauem Untergrund. Damit es ja keiner übersieht. Wahrscheinlich zur stetigen Erinnerung an den Sinn der ganz stumpfsinnigen Ausbildung. Es soll einem immer wieder ins Gesicht springen. Sich einprägen, für immer im Hirn festsetzen. Und das tat es! „Ich will!“ Ein deutscher Offizier hat es in sich aufzunehmen und danach zu leben, bläute es uns der Inspektionschef bereits am ersten Tag mit der Begrüßung ein. Immer wieder bekamen wir es zu hören. Ich will. Mir wird schlecht, wenn ich es heute höre. Trotzdem dachte ich damals genau an diesen Satz. Hier in Schongau. Und wer weiß, vielleicht half es mir ja sogar ein wenig mit der Hilflosigkeit meiner Situation fertig zu werden?

Wir fuhren mit dem Bus eine Stunde lang durch die verschneite Landschaft. Angekommen, eröffnete sich mir eine gut 40 Meter hohe senkrechte Wand, an der wir uns abseilen sollten. Von hinten heraufgeklettert zeigte uns ein kerniger Fallschirmjäger, sicherlich einer der härtesten Ausbilder der Welt, notwendige Handgriffe, um heil wieder runterzukommen. Dülfer-Sitz oder so, hieß das. Gurtzeug umgeschnallt, Handschuhe an, Helm auf. Schon ging es bergab. Die anderen, gerade noch so von oben sichtbar, machten Fotos mit der Kamera des Hörsaalleiters, grölten lautstark. Es schien, als machten sich viele damit ihrem Frust der letzten Tage Luft. Das machte echt Spaß.

Rezension

Marion Zartner von www.denk-pakete.de hat das Buch von Flo Reyda besprochen. Die Renzension finden Sie hier: www.denk-pakete.de/mobbing-bei-der-bundeswehr

Rezension

"Erst Senkrechtstart, dann Schleudersitz
Ein Tornado-Pilot: Zum Abschuss freigegeben

Flo Reyda. ratiobooks 2010, Gebundene Ausgabe, 338 Seiten, € 19,80

Hintergrund
In 12 Jahren habe ich zwei mobbingbetroffene Tornado-Piloten betreut. Wenn man einem Muster an Mann von etwa 30 Jahren gegenübersitzt, der erzählt, er wäre völlig am Ende, dann ist man überrascht, so wenig ähneln Tornado-Piloten dem durchschnittlichen Mobbingbetroffenen. „Ich habe in 6 Wochen 20 Kilo abgenommen, bin nur noch ein Schatten meiner selbst.“ Da fragt man sich „Wie muss der vor seinem Mobbingproblem ausgesehen haben.“ Ist auch so mancher Mobbing-Fall im Laufe von 12 Jahren in Vergessenheit geraten: Tornado-Piloten vergisst man nicht.

Beide habe ich aufgefordert ihre Geschichte aufzuschreiben. Der zweite erklärte „Das ist nicht mein Ding.“ Mit einem letzten Telefonat verabschiedete er sich von mir. „Hallo, Frau Rolf
, ich bin jetzt auf meinem Katamaran, den ich mir von der Abfindung gekauft habe und werde in der Karibic mit drei Kameraden Charterausflüge anbieten. Ich habe den Tornado-Piloten an den Nagel gehängt. Ich habe die Luftwaffe an den Nagel gehängt. Und ich habe Deutschland an den Nagel gehängt. Ich werde gleich aus dem Sendebereich sein. Dies ist mein letztes Telefonat und danach werfe ich das Handy über Bord. Ich wollte mich nur noch bei Ihnen bedanken, Ihnen alles Gute wünschen und mich verabschieden.“ Ich habe nie wieder etwas von ihm gehört und hoffe, dass es ihm gut geht.

Anders Flo Reyda. Erwog er zunächst zur Lufthansa zu wechseln, so gewann bald der Kontakt zu seinem Sohn die Oberhand und er entschloss sich, zu kämpfen. Er schrieb im Jahre 2000 sein Buch und gab es mir. Schreiben half ihm auszuhalten. Einige Passagen zeugten von der ohnmächtigen Wut über ein ungerechtes System. Erst ein Studium der Psychologie half ihm zu verstehen, was passierte. Allmählich überwog das Ziel auf jeden Fall zu bleiben bis zur Pensionierung mit 41 Jahren. Bei meinen Nachfragen, wann denn sein Buch erscheinen würde, vertröstete er mich nahezu ein Jahrzehnt! Jetzt ist es so weit. Sein Buch liegt mir vor und ist weit entfernt von jenem, dass er mit 30 Jahren schrieb. Gereift, mit großem inneren Abstand, rehabilitiert und sich als Gewinner begreifend, beschreibt er nicht nur Mobbing, wie er es erlebt hat, sondern analysiert es gleichzeitig, stellt die Defizite des Systems bloß und ist weit entfernt von Rachegefühlen.

10 Jahre nach Mobbing
Wie wird man zum Opfer? Warum machen Kameraden mit? Wieso sitzen inkompetente Vorgesetzte es aus? All diesen Fragen geht Flo Reyda auf den Grund. Als sich das Blatt wendete, war es für alle Beteiligten eine Überraschung. Niemand hätte es für möglich gehalten, dass ein Vorgesetzter tatsächlich den Mut hatte Mobbing entschieden zu beenden, Reyda völlig zu rehabilitieren und wieder Tornado fliegen zu lassen.

Eine wahre Geschichte, spannend, ja fesselnd erzählt. Nicht jeder Mobbingbetroffene hat den Kampfgeist eines Tornado-Piloten, aber jeder Mobbingbetroffene kann sich an Reyda ein Beispiel nehmen und ein wenig von diesem Kampfgeist entwickeln. Vieles, was Reyda beschreibt ist austauschbar und trifft auf den mobbingbetroffenen Polizisten ebenso zu, wie auf den mobbingbetroffenen Chefarzt oder die Kassiererin bei einem Discounter. Jemandem Diebstahl zu unterstellen ist bis heute eine beliebte Methode, Menschen zu entsorgen. Mit dem Makel womöglich ein Dieb zu sein, werden viele Mobbingbetroffene nicht fertig und überleben Mobbing daher nicht. Jeder 7. Suizid in Deutschland geht auf das Konto: Konflikte am Arbeitsplatz.

Jedem, der mit Mobbing zu tun hat, sei es als Betroffener oder Helfer, kann ich dieses Buch empfehlen. Fragen von Journalisten „Haben Sie denn nicht auch mal einen positiven Mobbing-Fall? Einen mit Happy End?“ kann ich jetzt sagen „Haben wir. Einen Tornado-Piloten, der seinen Fall als Buch veröffentlicht hat.“

Hat die Bundeswehr aus diesem Fall gelernt? Auf einer Messe erklärte mir ein älterer Soldat in Dunkelblau mit viel Lametta: „Frau Rolf
, bei der Bundeswehr gibt es kein Mobbing und ich will Ihnen auch sagen, warum: wir haben die Pflicht zur Kameradschaft!“ Vielleicht ist das Buch von Reyda geeignet einige aus ihrem Dornröschenschlaf zu wecken.

Der Autor
Flo Reyda war „ein zuverlässiger Offizier mit ausgeprägtem Pflichtbewusstsein“; mit „überdurchschnittlichen Ergebnissen“; „für andere vorbildlich“; „mit überdurchschnittlicher fliegerischer Begabung“; „ein hochmotivierter Flugzeugführer“ u. v. m. Woher ich das weiß? Es steht in allen Zeugnissen „vor Mobbing“.

„Nach Mobbing“ war er plötzlich ein „alter Klauer“; „immer noch nicht rausgeschmissen“; „von niemandem mehr ernst genommen“; „ausgelacht“; „charakterlich als Offizier untragbar“, „fluguntauglich“ usw.

9 Monate ließ man ihn ohne Arbeit am Boden. Er hatte Flugverbot. Das war eigentlich das Aus für einen Tornadopiloten. Mit 31 Jahren Ende der Karriere für die er hart gearbeitet hatte. Er hielt durch, kämpfte es aus und ist jetzt mit 41 Jahren pensioniert. Ein neues Leben liegt vor ihm und wir dürfen gespannt sein, was er damit anfängt. Er beginnt es jedenfalls als Autor. Soviel können wir sagen.

Fazit
Mobbingbetroffene brauchen Abstand. Ich sage immer: es dauert zwei Jahre bis die Wunden verheilt sind, fünf Jahre, bis die Narben nicht mehr schmerzen und zehn Jahre bis Mobbing Schnee von gestern ist.

Bei Reyda hing die Veröffentlichung mit der Pensionierung zusammen, die er auf keinen Fall gefährden wollte. 10 Jahre zu warten haben ihm gut getan. So ist aus dem anfänglichen „den eigenen Frust verarbeiten“ und Rachegelüsten, dem Kampf gegen Ungerechtigkeiten ein lesenwertes Buch geworden, das einerseits eine der spannendsten Mobbingfälle erzählt, die ich bearbeitet habe, andererseits Mut macht, sich ebenfalls gegen Mobbing zu wehren, aber auch hilft das Phänomen Mobbing besser zu verstehen.

Ein Buch, das ich gern gelesen habe und ebenso gern weiterempfehlen kann."

Margit Ricarda Rolf, Mobbing-Zentrale Hamburg
www.mobbing-zentrale.de

 

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