![]() Zeichnungen von
Heinrich Loy, Köln |
Flo Reyda: 338 Seiten, 31 Fotos, Hardcover mit Schutzumschlag, 14x20,5 cm, 562 g; Flo ReydaMännlich – Ende der 60er Jahre geboren – Abitur – Berufsoffizier der Luftwaffe – TORNADO-Pilot – ca. 4.000 Flugstunden Zahlreiche Auslandsaufenthalte während Ausbildung, Übung und Einsatz Verheiratet – 2 Kinder Pensionär mit 41 Jahren Verkehrsflugzeugführer – Fluglehrer Erst Senkrechtstart, dann SchleudersitzEin TORNADO-Pilot: Zum Abschuss freigegeben Fast jeder Junge möchte irgendwann Polizist, Fußballer, Rennfahrer oder Pilot werden. So auch Flo Reyda. Er wollte von Kindesbeinen an nur ein Flugzeug steuern – und hat es geschafft! Er entschloss er sich, zur Bundeswehr zu gehen und all sein Engagement in die Karriere als Top Gun-Pilot zu legen. Erst Eignungstests, dann Auswahlverfahren: Purer Stress und anspruchsvolle Prüfungen. Der Erfolg: Eine Ausbildung zum TORNADO-Piloten. Danach gab es für ihn nur einen Fokus: Keiner sollte ihm Steine in den Weg legen – ihm den begehrten Platz im Cockpit des Kampfflugzeugs streitig machen können. Flo hat die Erfolgsleiter bestiegen. Leider musste er bald erkennen, dass sich einer, der es bis an die Spitze geschafft hat, nicht nur Freunde macht. Kameraden, die nicht so leistungsstark waren, fühlten sich übergangen und kompensierten ihre Niederlagen mit Schikanen und Diskriminierungen. Vorgesetzte, denen Flo Reydas Erfolgsgeschichte ein Dorn im Auge war, schlossen sich an und wurden zuletzt sogar aktive Drahtzieher. Erst als sich private Lebensentwürfe als Fehlentscheidungen herausstellten, zeigten sich Angriffsflächen. Sie wurden ausgenutzt, um den Vorzeige-Piloten zu entzaubern. Und was folgte war der subversive Versuch, einen Team-Player, dem man sich nicht gewachsen fühlte, aus der Gemeinschaft zu drängen. Was mit scheinbar konstruktiver Kritik begann, wuchs sich systematisch aus. Doch von Mobbing durfte nicht gesprochen werden, da es diese Form der Diskriminierung bei der Bundeswehr offiziell nicht gab. Flo Reyda musste sich als Betroffener gegen etwas wehren, was keiner wahrhaben wollte. Durch einen Scheidungskrieg an den Rand seiner psychischen und physischen Kraft gebracht, half ihm nur sein übermenschlicher Wille, sich den Tatsachen zu stellen und sich tapfer zu wehren. Wie Flo Reyda diese intensiven Jahre im und ausserhalb des Cockpits erlebt hat, schildert er teilweise hoch emotional. Wer bereit ist, das Bild der Bundeswehr, das in der Öffentlichkeit bekannt ist, aus einem neuen und anderen Blickwinkel zu sehen – wer sich nicht vorstellen kann, dass aus einem „harten Held“ ein „Opfer“ wurde – und wer erleben möchte, was es bedeutet, ein Kampfjet-Pilot zu sein, dem wird die Lektüre dieses Buches spannende Unterhaltung liefern. Ein Buch, entstanden aus den täglichen Aufzeichnungen eines echten Kampfpiloten der Bundeswehr. Interessant, verwirrend und berührend zugleich. Eine Erfolgsstory und ein Krimi. Eine Biographie, Dokumentation und Roman. Die harte Ausbildung zum Jet-Piloten, tägliche Einsätze im Überschall-Jet, die Betroffenheit eines Mobbing-Opfers, der Weg aus der persönlichen und beruflichen Isolation bis zur Kampfansage oder einfach nur die enorme innere Überzeugung, dass persönliches Erleben stark machen kann, um anderen Menschen Bewusstsein und Hilfe zu geben, das alles schildert Flo Reyda in diesem Buch. Flo möchte nicht das Bild zerstören, dass Tom Cruise legendär in Top Gun gezeichnet hat und er möchte auch nicht diejenigen schuldig sprechen, die ihn zum Opfer gemacht haben. Doch er will deutlich machen, dass es Mobbing bei der Bundeswehr gibt. Und schließlich will er allen Menschen Mut machen, die Ähnliches erlebt haben. Ein Glossar am Ende des Buches hilft, die ganz eigene Sprache der Bundeswehr und der Flieger besser zu verstehen. Es lohnt sich sehr, Zeit zum Lesen dieses Buches zu investieren. Leseprobe aus Kapitel 2 (S. 25-26)… Kaum in Schongau angekommen, rannten wir alle wie die Bekloppten. Hier bewegte sich jeder nur im Laufschritt, angefeuert von genügend Ausbildern. Fünf harte Tage lagen jetzt vor mir. Ich war angespannt, mir war bereits kalt. Schnee. Wo ich hinsah, nur Schnee. Man zeigte uns das für vier Mann gebaute Tipi. Eine spartanische, zeltähnliche Behausung mit kleiner zentraler Feuerstelle. Zum Trocknen der nassen Klamotten und zum Essen machen. Außer unserem militärischen Gepäck durften wir nichts Persönliches mitnehmen. Das wurde noch kurz vor Abreise genau überprüft. Rucksack von der Schulter, alles raus. Wir waren echt nur im Laufschritt unterwegs. Zeit gab es, außer zum Feuerholz sammeln, keine. Und das Feuer durfte auf keinen Fall ausgehen. Zumindest nicht, solange wir da waren. Jede Tipi-Gruppe stellte also im Wechsel jemanden ab zum Holz suchen und nachlegen. Hatten wir anfänglich lange genug mit Magnesium und Feuerstein zu kämpfen gehabt, um es überhaupt in Gang zu bringen. Jetzt nur nicht ausgehen lassen! Wo sollten wir sonst unsere Kleidung trocknen, ein kleines Süppchen aus selbst gesammelten Wurzeln brühen? Im Moment des nahen Erfrierungstodes bedeutete jede Minute eine kleine Ewigkeit. Immer und immer wieder musste man sich zusammenreißen, sich selbst Mut machen. Getreu dem Motto: Ich will Offizier werden, meinem Land treu dienen. Ich will anderen ein Vorbild sein, und: Ja, genau! Ich will Pilot werden! Genau das will ich eigentlich! Nicht im Wald sitzen und einen eben getöteten Fisch in Klopapier eingewickelt über ein stinkendes Feuer halten. Dieses „Ich will“ konnte ich nicht mehr hören. So steht es an jeder Ecke auf dem Gelände der Offizierschule. Immer groß geschrieben, auf auffällig hässlichem, blauem Untergrund. Damit es ja keiner übersieht. Wahrscheinlich zur stetigen Erinnerung an den Sinn der ganz stumpfsinnigen Ausbildung. Es soll einem immer wieder ins Gesicht springen. Sich einprägen, für immer im Hirn festsetzen. Und das tat es! „Ich will!“ Ein deutscher Offizier hat es in sich aufzunehmen und danach zu leben, bläute es uns der Inspektionschef bereits am ersten Tag mit der Begrüßung ein. Immer wieder bekamen wir es zu hören. Ich will. Mir wird schlecht, wenn ich es heute höre. Trotzdem dachte ich damals genau an diesen Satz. Hier in Schongau. Und wer weiß, vielleicht half es mir ja sogar ein wenig mit der Hilflosigkeit meiner Situation fertig zu werden? Wir fuhren mit dem Bus eine Stunde lang durch die verschneite Landschaft. Angekommen, eröffnete sich mir eine gut 40 Meter hohe senkrechte Wand, an der wir uns abseilen sollten. Von hinten heraufgeklettert zeigte uns ein kerniger Fallschirmjäger, sicherlich einer der härtesten Ausbilder der Welt, notwendige Handgriffe, um heil wieder runterzukommen. Dülfer-Sitz oder so, hieß das. Gurtzeug umgeschnallt, Handschuhe an, Helm auf. Schon ging es bergab. Die anderen, gerade noch so von oben sichtbar, machten Fotos mit der Kamera des Hörsaalleiters, grölten lautstark. Es schien, als machten sich viele damit ihrem Frust der letzten Tage Luft. Das machte echt Spaß. … |
RezensionMarion Zartner von www.denk-pakete.de hat das Buch von Flo Reyda besprochen. Die Renzension finden Sie hier: www.denk-pakete.de/mobbing-bei-der-bundeswehr Rezension"Erst Senkrechtstart, dann Schleudersitz Margit Ricarda Rolf, Mobbing-Zentrale Hamburg
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